Wo die Fähren standen – und wie hoch die Sonne war
Sechs Landungen, alle am frühen Mondmorgen. Mit den Bahndaten der Planeten lässt sich für jede Minute berechnen, wo die Sonne über dem Landeplatz stand. Die Rechnung stimmt mit den Angaben der NASA und mit einer unabhängigen Abfrage beim Jet Propulsion Laboratory überein.
Die sechs Landeplätze mit Licht und Schatten
Der Mond, wie er von der Erde aus zur gewählten Zeit aussah – mit der echten Beleuchtung aus den Bahndaten. Die roten Fadenkreuze markieren die Landeplätze. Spiele den Mondtag ab: Die Licht-Schatten-Grenze (der Terminator) wandert mit rund 15 km/h über den Mondäquator. Die Fähren landeten jeweils kurz nachdem die Grenze ihren Landeplatz überquert hatte.
Mondoberfläche: Farbmosaik der Lunar Reconnaissance Orbiter Camera (NASA, gemeinfrei). Beleuchtung und Blickrichtung aus der JPL-Ephemeride DE421 in Schritten von drei Stunden; die leichte Schaukelbewegung des Mondes (Libration) ist enthalten. Landeplatz-Koordinaten aus der Vermessung durch den Lunar Reconnaissance Orbiter.
| Mission | Fähre | Gebiet | Breite | Länge | Aufsetzen (UTC) |
|---|---|---|---|---|---|
| Apollo 11 | Eagle | Mare Tranquillitatis (Meer der Ruhe) | 0,674° N | 23,473° O | 20.07.1969 20:17:40 |
| Apollo 12 | Intrepid | Oceanus Procellarum, 163 m neben Surveyor 3 | 3,012° S | 23,422° W | 19.11.1969 06:54:35 |
| Apollo 14 | Antares | Fra-Mauro-Hochland | 3,645° S | 17,471° W | 05.02.1971 09:18:11 |
| Apollo 15 | Falcon | Hadley-Rille am Apenninen-Gebirge | 26,132° N | 3,634° O | 30.07.1971 22:16:29 |
| Apollo 16 | Orion | Descartes-Hochland | 8,973° S | 15,500° O | 21.04.1972 02:23:35 |
| Apollo 17 | Challenger | Taurus-Littrow-Tal | 20,191° N | 30,772° O | 11.12.1972 19:54:57 |
Woher kennt man die Koordinaten so genau? Vertiefung
1969 kannte man die Landestelle von Apollo 11 zunächst nur auf einige Kilometer genau – Armstrong war über das geplante Ziel hinausgeflogen, um einem Geröllfeld auszuweichen. Erst die Funkortung, Fotos aus dem Mutterschiff und später die Laser-Entfernungsmessung zum Reflektor grenzten den Ort ein. Heute stammen die Koordinaten aus Aufnahmen des Lunar Reconnaissance Orbiter (seit 2009), auf denen die Abstiegsstufen direkt zu sehen sind. Die Zahlen gelten im Koordinatensystem „mittlere Erdrichtung/Polachse“ des Mondes.
Was ein Astronaut sah
Du stehst rund 26 Meter von der Fähre entfernt. Wähle eine Mission und schiebe die Zeit durch den Mondtag – von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Ziehe im Bild, um dich umzusehen. Die Sonne steigt ungefähr ein halbes Grad pro Stunde; die Erde steht fast unbewegt am Himmel. Fähre, Flagge und Astronaut erscheinen nur, solange sie wirklich dort waren.
Gelände, Steine und Krater sind erfunden und dienen nur als Kulisse; Sonnen- und Erdstand, Erdphase und Zeiten sind für den echten Landeplatz berechnet. Die Erde erscheint in echter Größe (knapp 2° Durchmesser, viermal so groß wie der Vollmond bei uns). Die Schatten sind nicht pechschwarz, weil der helle Mondboden Licht in sie zurückwirft.
Ein halbes Grad pro Stunde
Der Mond dreht sich in 29,5 Tagen einmal gegenüber der Sonne. Am Mondhimmel steigt die Sonne deshalb nur um etwa 0,5° pro Stunde – zwölf Erdstunden verändern den Schattenwurf kaum mehr als bei uns eine halbe Stunde.
Steht fest am Himmel
Weil der Mond der Erde immer dieselbe Seite zeigt, geht die Erde an den Landeplätzen weder auf noch unter. Sie schwankt nur um wenige Grad und zeigt Phasen – genau gegengleich zu den Mondphasen, die man gleichzeitig von der Erde aus sah.
Schwarz, ohne Sterne im Bild
Ohne Luft ist der Himmel auch am Tag schwarz. Sterne wären mit bloßem Auge im Schatten der Fähre sichtbar gewesen, aber nicht auf Fotos, die für den sonnenhellen Boden belichtet sind. Mehr dazu bei der Kritik →
Aufsetzen, Außeneinsätze, Abheben
Jede Zeile ist ein ganzer Mondtag am Landeplatz, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Klicke auf eine Mission, um die Zeiten in der Tabelle und im Rundblick zu sehen. Mit „erste 100 Stunden“ siehst du die Einsätze im Detail.
| Ereignis | Zeit (UTC) | nach Sonnenaufgang | Sonnenhöhe |
|---|
Zeiten: Apollo Lunar Surface Journal und NASA-Missionsberichte (Außeneinsatz = Druckabbau bis Druckaufbau der Kabine). Sonnenauf- und -untergang: Sonnenmitte am mathematischen Horizont, eigene Rechnung mit JPL DE421. Echte Berge am Horizont verschieben Auf- und Untergang um einige Stunden.
Lange Schatten zeigen das Gelände
Die NASA wählte die Starttermine so, dass die Sonne beim Aufsetzen zwischen etwa 5° und 14° über dem Horizont stand, im Rücken der von Osten anfliegenden Fähre. Dafür gab es handfeste Gründe:
- Kontrast: Bei flachem Licht werfen selbst kleine Krater und Steine lange Schatten. Der Pilot erkennt die Form des Bodens.
- Nicht zu tief: Unter 5° füllen Schatten ganze Krater; Hindernisse verschwinden im Schwarz.
- Nicht zu hoch: Steht die Sonne hinter dem Betrachter höher als etwa 15° bis 20°, verschwimmt der Boden zu einer hellen, flachen Fläche, weil die winzigen Schatten der Bodenkörner verdeckt sind (Oppositionseffekt).
- Wärme: Am Mondmorgen ist der Boden noch nicht auf über 100 °C aufgeheizt wie zu Mittag.
Die Startfenster auf der Erde ergaben sich daraus: Für jede Landestelle gab es nur wenige passende Tage pro Monat. Apollo 16 landete knapp sechs Stunden später als geplant, weil ein Triebwerksproblem im Mutterschiff geprüft werden musste – die Sonne stand deshalb mit 14,8° höher als die geplanten 11,9°.
Sonnenhöhe beim Aufsetzen
| Mission | NASA-Angabe* | JPL DE441 | Diese Seite |
|---|---|---|---|
| Apollo 11 | 10,8° | 10,70° | 10,70° |
| Apollo 12 | 5,1° | 5,14° | 5,15° |
| Apollo 14 | 10,3° | 10,35° | 10,35° |
| Apollo 15 | 12,0° | 12,02° | 12,02° |
| Apollo 16 | 11,9° (Plan) | 14,75° | 14,76° |
| Apollo 17 | 13,0° (Plan) | 13,34° | 13,35° |
* NASA-Angaben laut Recherche aus Missionsberichten und Apollo Lunar Surface Journal; teils Planwerte, teils gerundete Istwerte – Abweichungen bis 0,4° (Apollo 17) erklären sich so; Apollo 16 landete knapp sechs Stunden später als geplant. JPL DE441: Abfrage im JPL-Horizons-System (Recherche 04.11.2026). Diese Seite: JPL DE421 mit skyfield.
Was beweist die Übereinstimmung – und was nicht? Vertiefung
Die Übereinstimmung zeigt, dass die veröffentlichten Landezeiten, Koordinaten und Sonnenwinkel zueinander passen. Das allein beweist keine Landung: Wer 1969 eine Fälschung geplant hätte, hätte die Sonnenstände ebenfalls ausrechnen können. Interessant wird es bei den Fotos: Die Schattenlängen auf den hier gezeigten und in der Fachliteratur untersuchten Aufnahmen passen zur jeweils berechneten Sonnenhöhe, die Erde steht in Fotos an der berechneten Stelle und mit der richtigen Phase, und die Erdfotos zeigen zusätzlich die damalige Bewölkung. Ein Abgleich dieser Wolken mit Wettersatelliten wird hier nicht vorgenommen. Zur Prüfung der Schatten-Einwände →
Schatten, die zur Uhrzeit passen
Auf den Fotos der Außeneinsätze von Apollo 11 stand die Sonne laut Rechnung 14° bis 15° hoch. Ein aufrechter Gegenstand wirft dann einen Schatten von knapp dem Vierfachen seiner Höhe. Bei Apollo 17, am dritten Einsatztag, stand die Sonne rund 40° hoch – die Schatten sind deutlich kürzer.




Stimmig, aber für sich allein kein Beweis
Landezeiten, Koordinaten und Sonnenhöhen passen bei allen sechs Missionen zusammen, und die untersuchten Fotos zeigen dazu passende Schattenlängen und Erdpositionen. Eine vollständige Vermessung aller Fotos gibt es nicht; in den bekannten Untersuchungen wurde kein astronomischer Widerspruch gefunden.
Himmelsmechanik war 1969 gut bekannt. Wer eine Fälschung geplant hätte, hätte Sonnenstände ausrechnen können. Stark wird der Beleg erst im Zusammenspiel: mit Erdfotos und dokumentierten Kamerapositionen, mit Bildern aus der Umlaufbahn, die die Fähren heute zeigen, und mit den Laser-Reflektoren genau an diesen Koordinaten.
Quellen Vertiefung
- Apollo Lunar Surface Journal, Sun Angles and Landing Times, https://www.hq.nasa.gov/alsj/alsj-sunangles.html
- NASA, Apollo Program Summary Report (JSC-09423), 1975, https://ntrs.nasa.gov/citations/19750013242
- NASA, Apollo 11 Mission Report (MSC-00171), 1969, https://ntrs.nasa.gov/citations/19700008096
- JPL Solar System Dynamics, Planetary and Lunar Ephemerides DE421 und DE441, https://ssd.jpl.nasa.gov/planets/eph_export.html
- NAIF, Mond-Orientierungsdaten moon_pa_de421_1900-2050.bpc und moon_080317.tf, https://naif.jpl.nasa.gov/pub/naif/generic_kernels/
- LROC, Koordinaten der Apollo-Landestellen, https://lroc.im-ldi.com/
- Rhodes, B.: skyfield (Python-Bibliothek), https://rhodesmill.org/skyfield/