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Mondlandung geprüft
02 · Modelle

Wo die Fähren standen – und wie hoch die Sonne war

Sechs Landungen, alle am frühen Mondmorgen. Mit den Bahndaten der Planeten lässt sich für jede Minute berechnen, wo die Sonne über dem Landeplatz stand. Die Rechnung stimmt mit den Angaben der NASA und mit einer unabhängigen Abfrage beim Jet Propulsion Laboratory überein.

Sonne beim Aufsetzen5,1° bis 14,8°
Ein Mondtag am Ort≈ 354 Stunden
Längster Aufenthalt75 h (Apollo 17)
01 · Wo genau?

Die sechs Landeplätze mit Licht und Schatten

Der Mond, wie er von der Erde aus zur gewählten Zeit aussah – mit der echten Beleuchtung aus den Bahndaten. Die roten Fadenkreuze markieren die Landeplätze. Spiele den Mondtag ab: Die Licht-Schatten-Grenze (der Terminator) wandert mit rund 15 km/h über den Mondäquator. Die Fähren landeten jeweils kurz nachdem die Grenze ihren Landeplatz überquert hatte.

Blick von der Erde
–Sonne am Landeplatz: – (–)–

Mondoberfläche: Farbmosaik der Lunar Reconnaissance Orbiter Camera (NASA, gemeinfrei). Beleuchtung und Blickrichtung aus der JPL-Ephemeride DE421 in Schritten von drei Stunden; die leichte Schaukelbewegung des Mondes (Libration) ist enthalten. Landeplatz-Koordinaten aus der Vermessung durch den Lunar Reconnaissance Orbiter.

MissionFähreGebietBreiteLängeAufsetzen (UTC)
Apollo 11EagleMare Tranquillitatis (Meer der Ruhe)0,674° N23,473° O20.07.1969 20:17:40
Apollo 12IntrepidOceanus Procellarum, 163 m neben Surveyor 33,012° S23,422° W19.11.1969 06:54:35
Apollo 14AntaresFra-Mauro-Hochland3,645° S17,471° W05.02.1971 09:18:11
Apollo 15FalconHadley-Rille am Apenninen-Gebirge26,132° N3,634° O30.07.1971 22:16:29
Apollo 16OrionDescartes-Hochland8,973° S15,500° O21.04.1972 02:23:35
Apollo 17ChallengerTaurus-Littrow-Tal20,191° N30,772° O11.12.1972 19:54:57
Woher kennt man die Koordinaten so genau? Vertiefung

1969 kannte man die Landestelle von Apollo 11 zunächst nur auf einige Kilometer genau – Armstrong war über das geplante Ziel hinausgeflogen, um einem Geröllfeld auszuweichen. Erst die Funkortung, Fotos aus dem Mutterschiff und später die Laser-Entfernungsmessung zum Reflektor grenzten den Ort ein. Heute stammen die Koordinaten aus Aufnahmen des Lunar Reconnaissance Orbiter (seit 2009), auf denen die Abstiegsstufen direkt zu sehen sind. Die Zahlen gelten im Koordinatensystem „mittlere Erdrichtung/Polachse“ des Mondes.


02 · Am Landeplatz

Was ein Astronaut sah

Du stehst rund 26 Meter von der Fähre entfernt. Wähle eine Mission und schiebe die Zeit durch den Mondtag – von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Ziehe im Bild, um dich umzusehen. Die Sonne steigt ungefähr ein halbes Grad pro Stunde; die Erde steht fast unbewegt am Himmel. Fähre, Flagge und Astronaut erscheinen nur, solange sie wirklich dort waren.

Rundblick am Landeplatz
– Sonne: – Erde: – Schatten der 7 m hohen Fähre: – –

Gelände, Steine und Krater sind erfunden und dienen nur als Kulisse; Sonnen- und Erdstand, Erdphase und Zeiten sind für den echten Landeplatz berechnet. Die Erde erscheint in echter Größe (knapp 2° Durchmesser, viermal so groß wie der Vollmond bei uns). Die Schatten sind nicht pechschwarz, weil der helle Mondboden Licht in sie zurückwirft.

Sonne

Ein halbes Grad pro Stunde

Der Mond dreht sich in 29,5 Tagen einmal gegenüber der Sonne. Am Mondhimmel steigt die Sonne deshalb nur um etwa 0,5° pro Stunde – zwölf Erdstunden verändern den Schattenwurf kaum mehr als bei uns eine halbe Stunde.

Erde

Steht fest am Himmel

Weil der Mond der Erde immer dieselbe Seite zeigt, geht die Erde an den Landeplätzen weder auf noch unter. Sie schwankt nur um wenige Grad und zeigt Phasen – genau gegengleich zu den Mondphasen, die man gleichzeitig von der Erde aus sah.

Himmel

Schwarz, ohne Sterne im Bild

Ohne Luft ist der Himmel auch am Tag schwarz. Sterne wären mit bloßem Auge im Schatten der Fähre sichtbar gewesen, aber nicht auf Fotos, die für den sonnenhellen Boden belichtet sind. Mehr dazu bei der Kritik →


03 · Der Mondtag im Balken

Aufsetzen, Außeneinsätze, Abheben

Jede Zeile ist ein ganzer Mondtag am Landeplatz, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Klicke auf eine Mission, um die Zeiten in der Tabelle und im Rundblick zu sehen. Mit „erste 100 Stunden“ siehst du die Einsätze im Detail.

Aufsetzen Außeneinsatz Fähre steht, Kabine Abheben Sonne über dem Horizont Sonnenuntergang
EreignisZeit (UTC)nach SonnenaufgangSonnenhöhe

Zeiten: Apollo Lunar Surface Journal und NASA-Missionsberichte (Außeneinsatz = Druckabbau bis Druckaufbau der Kabine). Sonnenauf- und -untergang: Sonnenmitte am mathematischen Horizont, eigene Rechnung mit JPL DE421. Echte Berge am Horizont verschieben Auf- und Untergang um einige Stunden.


04 · Warum morgens?

Lange Schatten zeigen das Gelände

Die NASA wählte die Starttermine so, dass die Sonne beim Aufsetzen zwischen etwa 5° und 14° über dem Horizont stand, im Rücken der von Osten anfliegenden Fähre. Dafür gab es handfeste Gründe:

  • Kontrast: Bei flachem Licht werfen selbst kleine Krater und Steine lange Schatten. Der Pilot erkennt die Form des Bodens.
  • Nicht zu tief: Unter 5° füllen Schatten ganze Krater; Hindernisse verschwinden im Schwarz.
  • Nicht zu hoch: Steht die Sonne hinter dem Betrachter höher als etwa 15° bis 20°, verschwimmt der Boden zu einer hellen, flachen Fläche, weil die winzigen Schatten der Bodenkörner verdeckt sind (Oppositionseffekt).
  • Wärme: Am Mondmorgen ist der Boden noch nicht auf über 100 °C aufgeheizt wie zu Mittag.

Die Startfenster auf der Erde ergaben sich daraus: Für jede Landestelle gab es nur wenige passende Tage pro Monat. Apollo 16 landete knapp sechs Stunden später als geplant, weil ein Triebwerksproblem im Mutterschiff geprüft werden musste – die Sonne stand deshalb mit 14,8° höher als die geplanten 11,9°.

Drei unabhängige Rechnungen

Sonnenhöhe beim Aufsetzen

MissionNASA-Angabe*JPL DE441Diese Seite
Apollo 1110,8°10,70°10,70°
Apollo 125,1°5,14°5,15°
Apollo 1410,3°10,35°10,35°
Apollo 1512,0°12,02°12,02°
Apollo 1611,9° (Plan)14,75°14,76°
Apollo 1713,0° (Plan)13,34°13,35°

* NASA-Angaben laut Recherche aus Missionsberichten und Apollo Lunar Surface Journal; teils Planwerte, teils gerundete Istwerte – Abweichungen bis 0,4° (Apollo 17) erklären sich so; Apollo 16 landete knapp sechs Stunden später als geplant. JPL DE441: Abfrage im JPL-Horizons-System (Recherche 04.11.2026). Diese Seite: JPL DE421 mit skyfield.

Was beweist die Übereinstimmung – und was nicht? Vertiefung

Die Übereinstimmung zeigt, dass die veröffentlichten Landezeiten, Koordinaten und Sonnenwinkel zueinander passen. Das allein beweist keine Landung: Wer 1969 eine Fälschung geplant hätte, hätte die Sonnenstände ebenfalls ausrechnen können. Interessant wird es bei den Fotos: Die Schattenlängen auf den hier gezeigten und in der Fachliteratur untersuchten Aufnahmen passen zur jeweils berechneten Sonnenhöhe, die Erde steht in Fotos an der berechneten Stelle und mit der richtigen Phase, und die Erdfotos zeigen zusätzlich die damalige Bewölkung. Ein Abgleich dieser Wolken mit Wettersatelliten wird hier nicht vorgenommen. Zur Prüfung der Schatten-Einwände →

Schattenlänge = Höhe / tan(Sonnenhöhe) 7 m Fähre bei 10,7° → 37 m Schatten 7 m Fähre bei 21,7° → 18 m Schatten

05 · Fotos im Licht der Rechnung

Schatten, die zur Uhrzeit passen

Auf den Fotos der Außeneinsätze von Apollo 11 stand die Sonne laut Rechnung 14° bis 15° hoch. Ein aufrechter Gegenstand wirft dann einen Schatten von knapp dem Vierfachen seiner Höhe. Bei Apollo 17, am dritten Einsatztag, stand die Sonne rund 40° hoch – die Schatten sind deutlich kürzer.

Buzz Aldrin neben der Flagge, links die Fähre Eagle, lange Schatten
Apollo 11: Buzz Aldrin an der Flagge, links ein Bein der Fähre Eagle. Sonne ≈ 15°: Die Schatten sind fast viermal so lang wie die Gegenstände hoch. NASA, AS11-40-5874 · gemeinfrei
Buzz Aldrin auf dem Mond, im Visier spiegeln sich Armstrong und die Fähre
Apollo 11: Buzz Aldrin, im Visier spiegeln sich Armstrong und die Fähre. Die Sonne steht hinter dem Fotografen. NASA, AS11-40-5903 · gemeinfrei
Flagge und Astronaut, darüber die Erde am Himmel
Apollo 17: Harrison Schmitt an der Flagge, die Erde steht am Himmel darüber – berechnet rund 45° hoch im Südwesten. NASA, AS17-134-20384 · gemeinfrei
Astronaut am Mondauto, dahinter ein Bergmassiv
Apollo 15: Astronaut am Mondauto (Rover) vor dem Hadley-Massiv. Die Sonne stand schon höher, die Schatten sind kürzer. NASA, AS15-86-11603 · gemeinfrei

06 · Wie stark ist dieser Beleg?

Stimmig, aber für sich allein kein Beweis

Das zeigt die Rechnung

Landezeiten, Koordinaten und Sonnenhöhen passen bei allen sechs Missionen zusammen, und die untersuchten Fotos zeigen dazu passende Schattenlängen und Erdpositionen. Eine vollständige Vermessung aller Fotos gibt es nicht; in den bekannten Untersuchungen wurde kein astronomischer Widerspruch gefunden.

Das zeigt sie nicht

Himmelsmechanik war 1969 gut bekannt. Wer eine Fälschung geplant hätte, hätte Sonnenstände ausrechnen können. Stark wird der Beleg erst im Zusammenspiel: mit Erdfotos und dokumentierten Kamerapositionen, mit Bildern aus der Umlaufbahn, die die Fähren heute zeigen, und mit den Laser-Reflektoren genau an diesen Koordinaten.

Quellen Vertiefung
  1. Apollo Lunar Surface Journal, Sun Angles and Landing Times, https://www.hq.nasa.gov/alsj/alsj-sunangles.html
  2. NASA, Apollo Program Summary Report (JSC-09423), 1975, https://ntrs.nasa.gov/citations/19750013242
  3. NASA, Apollo 11 Mission Report (MSC-00171), 1969, https://ntrs.nasa.gov/citations/19700008096
  4. JPL Solar System Dynamics, Planetary and Lunar Ephemerides DE421 und DE441, https://ssd.jpl.nasa.gov/planets/eph_export.html
  5. NAIF, Mond-Orientierungsdaten moon_pa_de421_1900-2050.bpc und moon_080317.tf, https://naif.jpl.nasa.gov/pub/naif/generic_kernels/
  6. LROC, Koordinaten der Apollo-Landestellen, https://lroc.im-ldi.com/
  7. Rhodes, B.: skyfield (Python-Bibliothek), https://rhodesmill.org/skyfield/